Mit Ingo und der Quo Vadis übers IJsselmeer

Mit Ingo und der Quo Vadis übers IJsselmeer

Es muss gerade mal 13 Uhr gewesen sein, als wir auf dem Marktplatz von Workum saßen und an unserem ersten Heineken vom Fass nippten. Während wir gerade mit der anderen Hand auf unseren iPhones rumtippten und im offenen Wlan von Folkerts unsere E-Mails und Social-Network Aktivitäten checken, kam Ingos E-Mail rein. Genau im richtigen Zeitpunkt. „Ich bin gerade am anderen Ende, könnte morgen bei Euch sein!“. Allein dieser Wortlaut entlockte uns bereits ein erstes Jauchzen. Weitere sollten folgen.

Nach einigen kurzen E-Mails war unser spontaner Segeltörn geritzt. Ingo lud uns für einen Tagestörn auf seine Quo Vadis ein. Wie der Zufall es so wollte, hatten wir tatsächlich die Chance unseren letzten Tag am niederländischen Binnenmeer mit dem Segelfan Ingo zu verbringen. Und zwar auf dem Wasser. Auf einem echten Segelschiff. Ganz privat. Knapp 12 Meter lang und mit einem 10,50 hohen Mast ausgestattet, macht das alte Regattaschiff trotz seiner über 20 Jahre noch heute eine ausgezeichnete Figur. Ingo fährt mit ihm ständig private Törns nach England, Skandinavien oder eben durch besagtes IJsselmeer. Aber auch als Schulschiff und Charter-Kahn macht sich die Quo Vadis einen guten Namen.

Um 9:00 Uhr trafen wir uns knapp 20 Minuten von unserem gemieteten Haus entfernt. Parkten das Auto vor dem Jachthafen und machten uns auf. Auf zur Quo Vadis, die bereits am Meldesteg mit ihrem Skipper Ingo auf uns wartete. Nach kurzer Einführung in die relevanten Sicherheits-Infos und einem kleinen Talk gings los. Die ausgelassene Stimmung direkt zu Anfang unserer ersten Begegnung ließ keinen Zweifel: Ingo ist ein absoluter Glücksgriff. Der Tag ist ein Glücksgriff und das Wetter spielte auch mit.

Sobald der Hafen verlassen war, die Segel gehisst und der Motor abgestellt, schien die Zeit stillzustehen. Die Handys irgendwo vergraben verlor ich bereits nach wenigen Minuten jedes Gefühl für Raum und Zeit. In Symbiose mit der Natur bewegten wir uns quer durch das IJsselmeer. Die meiste Zeit nach dem Wind segelnd, blieb genügend Raum für Gespräche und Ingos unendlichen Geschichtenreichtum aus über 17 Jahren Segelerfahrung. Ab und zu tauchte am Horizont eine Küste auf. Gelegentlich kreuzten andere Schiffe unsere Route. Und wir kreuzten die Routen anderer Schiffe. Man grüßte sich freundlich mit einem Handsignal und segelte weiter. Mit durchschnittlich sechskommairgendwas Knoten ging es angenehm dynamisch quer durch das Binnenmeer. Leichter Wellengang, Schiffsverkehr aller Klassen und ein leicht bedeckter Himmel schützten uns vor unangenehmen Überraschungen.

Wir ließen uns den Fahrtwind um die Nase pfeifen und genossen die Gesellschaft des Wassers. Aufgewachsen in einer Seglerfamilie zog es Ingo schon früh vom Land in Richtung Wasser. Während er uns von seinen Törns und Ausflügen erzählte, flatterte die kleine Sea Shepherd Fahne unaufhörlich am Mast. Wir sprachen über Meeresbiologie, die Segelei und viele andere Themen. Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn du mit Menschen Blödsinn reden kannst, aber auch ernste Themen, wie der Tierschutz oder Wertevorstellungen zum Leben nicht zu kurz kommen. Ganz beiläufig präsentierte uns Ingo auch seine Kochkünste bei voller Fahrt. Somit kam ich in den seltenen Genuss, einen frisch zubereiteten Salat mitten auf dem Meer zu genießen.

Den größten Spaß bereitete mir jedoch immer noch das in den Wind kippen. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn sich das Boot in den Wind neigt, du die Kraft der Natur spürst, die dich fortbewegt und die Wellen heftiger gegen den Schiffsbug schlagen. Am eigenen Leib durfte ich erfahren, was es heißt, wenn das Wasser gegen das Ruderblatt drückt, welches für eine optimale Lage und konstante Reisegeschwindigkeit in Position gehalten werden will. Während du Wellen kreuzt und querst, das Boot wippt und gelegentlich auch einmal das Wasser über das Deck schwappt. Es ist eine Art sich zu fortzubewegen, die sofort ansteckt. Vielleicht ist sogar einer der wenigen Momente, wo du heute den Einklang mit der Natur sofort zu spüren bekommst. Mein Grinsen wurde immer größer und einige Freudenschreie konnte ich mir wohl auch nicht verkneifen. Ich begann zu verstehen, warum bereits unsere Vorfahren alle Weltmeere durchsegeln wollten und dafür ihre Leben riskierten.

Als wir gegen 17 Uhr die Segel wieder reinholten und das Surren des Dieselmotors das Ende unserer Fahrt ankündigte, fühlte ich mich entspannt. Entspannt und glücklich, obwohl meine Oberschenkel von der Sonne des Tages leicht brannten und meine Schultermuskulatur bereits erste Lebenszeichen von sich gab.

Zuletzt überspielte ich auf dem Kartentisch an Board noch schnell die Bilder und Videos von Ingos SD-Karte auf meinen Laptop. Er hatte den ganzen Tag mit seiner kleinen GoPro draufgehalten und einige lustige Bilder und Videos gemacht. Das macht er übrigens immer, wenn er Gäste an Board hat.

PS: Wenn ich Euch für einen Segeltörn mit Ingo begeistern konnte, schaut doch mal auf seiner Website vorbei. Dort findet ihr alle relevanten Infos.

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