Fuck, ich bin wirklich hier. Hallo Hurghada.

Fuck, ich bin wirklich hier. Hallo Hurghada.

Die ersten Schritte auf fremdem Kontinent. So, oder so ähnlich muss sich Neil Armstrong vor dem Mond gefühlt haben. Als der Flieger nach knapp vier Stunden Flug endlich zum Landeanflug ansetzt. Warme Luft schlägt mir entgegen, als ich die letzten Stufen der Fliegertreppe hinuntergehe und mich in Richtung Shuttle-Bus bewege. Gefolgt von wildem Getöse in dem klimatisierten und viel zu kleinen Flughafen Gebäude. Alles wirkt etwas hektisch, chaotisch und unorganisiert. Als wir unser Gepäck wieder in den Händen halten, steigen wir ins Taxi. Auf dem Weg in die Stadt strecke ich meinen Kopf aus dem Fenster, schließe die Augen und lasse mir den Fahrtwind ins Gesicht wehen. Es ist fast Mitternacht, immer noch haben wir 27 Grad und links und rechts überholen uns Taxis, Motorräder und PKWs. Begleitet von einem ständigen Hupen. Ich bin angekommen und denke noch: "Fuck, ich bin wirklich hier. Hallo Hurghada."

Dank gewisser familiärer Privilegien brauche ich nicht in ein Hotel, sondern durfte das Leben in der Stadt kennenlernen. In den Vororten, dort wo man das echte Leben sieht. Verlässt man die breiten und geteerten Straßen, findet man sich schnell zwischen riesigen Häuserklüften. Ab hier bewegen sich die Autos scheinbar im Schneckentempo über die Sandstraßen, die wahrscheinlich nie eine Teermaschine sehen werden. Von Zeit zu Zeit unterbricht ein tiefes Schlagloch die Fahrt. Viele der Häuser sind bewohnt, einige stehen leer. Überall scheinen neue Gebäude aus dem Boden zu wachsen. In Hurghada wird gebaut, wenn Geld da ist. Meist Etage für Etage. Dann auch auf selbst gebauten Holzgerüsten, die mit Seilen verbunden werden. Nicht selten stehen die Häuser nach oben offen. Bei fertigen Häusern sind dort die Wassertanks angebracht, die das ganze Haus mit Wasser versorgen. Wasser aus dem Wasserhahn zu trinken, ist hier keine gute Idee.

Von den knapp 160.000 Einwohnern sollen um die 10.000 ohne gültige Papiere in Hurghada leben. Teilweise schlafen Menschen in den nicht fertig ausgebauten Häusern. Die klimatischen Bedingungen lassen es zu. Jemanden stören tut es auch nicht. Lediglich die brennenden Glühlampen weisen in der Nacht auf deren Existenz hin.

Wir sitzen noch bis spät in die Nacht auf einer Verkehrsinsel. Hier hat das kleine Cafe von gegenüber seine Tische und Shishas aufgebaut. Mit riesigen Tabletts läuft der Kellner durch den späten Nachtverkehr und serviert unsere Getränke. Nachts fängt für die meisten Ägypter das Leben erst an. Dann, wenn die Temperaturen erträglich werden. Um uns herum fahren auf beiden Seiten Autos vorbei. Nicht selten wird gehupt. Mir ist es egal. Ich lehne mich zurück, blicke in den Himmel genieße die angenehme Nacht und den klaren Sternenhimmel. Die spärliche Beleuchtung der kleinen Cafés um uns herum stört da nur wenig.

Tagsüber finden sich fast in jeder Ecke kleine Läden, die dir Lebensmittel verkaufen. Auf der Straße werden klassische ägyptische Mahlzeiten auf Gaskochern zubereitet. Natürlich gibt es auch Supermärkte, doch wer will da schon rein. Selbst eine Stadt wie Hurghada zeigt in diesen Augenblicken ihre zwei Gesichter. Die großen Einkaufsstraßen gefüllt mit Souvenirläden, Straßenhändlern und Co, an denen Massen von Touristen vorbeiströmen. Hier regiert die Einfachheit. Der Staub. Es wird gelebt. Auf der anderen Seite die hochgezüchteten Hotelanlagen an der Küste, die den Tourismus bedienen. Mit ihren künstlich am Leben gehalten Rasenflächen und modernen Bungalow-Anlagen. Gepaart mit den exklusiven Restaurants, Cafés und Bars. In den Häfen liegen riesige Jachten. Auf dem Fischmarkt hingegen findest du nur Holzschiffe. Hier sind die alten Kähne begraben.

Wir fuhren viel Auto, lagen einige Zeit am Strand und reisten etwas durch das Land. Schon damals merke man in Hurghada nichts von der allgemeinen politischen Lage im Land. Die Menschen waren freundlich. Ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt unwohl, sondern genoss alles, was das Land mir zeigte. Es beeindruckt mich noch heute, wie schnell du dem hektischen Alltag in deiner Heimat entkommst, wenn du dir das Leben in den südlicheren Ländern anschaust. Die Uhren scheinen eine andere Zeit zu schlagen, doch irgendwie wirken die Menschen dadurch auch ausgeglichener. Obwohl auch hier fast jeder inzwischen mit einem iPhone rumläuft. Die Frauen klemmen es sogar ganz geschickt unter ihrem Kopftuch ein und verzichten auf Bluetooth-Freisprecheinrichtungen und andere technische Spielerein.

Noch lange Zeit nach meinem Besuch lebte ich von den Erinnerungen und ließ keine Möglichkeit aus von dem warmen Land zu schwärmen. Die Einfachheit und die unvermeidliche Konzentration auf das Miteinander hat mich geprägt und fasziniert. Ägypten, ich werde sicher wieder gekommen. Schließlich habe ich dich schnell in mein Herz geschlossen.

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